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Überprüfe Deine Geschichte: 10 Tipps für die Überarbeitung

Lesezeit: ca. 16 Minuten

Hey, lass mich raten: Du hast gerade einen Text fertig geschrieben. Deine Finger fliegen förmlich über die Tastatur, vielleicht mit einem triumphalen Grinsen auf den Lippen, und in Deinem Kopf hörst Du schon die Standing Ovations. „Das ist ein Meisterwerk!“ denkst Du, voller Stolz und Euphorie. Aber Moment mal – bevor Du jetzt auf „Veröffentlichen“ oder „Senden“ klickst, atme tief durch und hör mir kurz zu. Denn hier kommt ein gut gemeinter, absolut unvermeidlicher Rat: Überprüfe Deinen Text. Nach dem Schreiben kommt die Überarbeitung. Ja, ich weiß, das klingt erst mal genauso spannend wie Socken sortieren. Aber glaub mir, es lohnt sich – und zwar massiv.

Warum? Naja, angenommen, Du servierst Deinen Gästen ein grandioses Dinner, aber auf dem Teller liegt noch ein winziges Haar. Schade, oder? Dein Text ist Dein Dinner. Und dieses Haar, das können Tippfehler, unnötige Füllwörter oder holprige Sätze sein, die Deine Leser mehr abschrecken als begeistern. Willst Du das? Nein? Gut.

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Überprüfe Deine Geschichte 10 Tipps für die Überarbeitung

Wenn Du möchtest, dass Deine Leser Deinen Text lieben – statt ihn zu hassen oder, schlimmer noch, komplett zu ignorieren – dann braucht er den Feinschliff. Den letzten Schliff, der ihn von „ganz nett“ zu „absolut großartig“ bringt.

Tipp 1: Abstand gewinnen – Mach den Kopf frei

Das ist der wahrscheinlich am meisten unterschätzte Tipp – und gleichzeitig der effektivste. Wirklich, ich meine es ernst. Es klingt vielleicht wie einer dieser langweiligen Ratschläge, die Deine Oma Dir gibt, aber vertrau mir: Dieser hier hat Power. Sobald Du Deinen Text fertig geschrieben hast, solltest Du ihn zur Seite legen. Und damit meine ich nicht, dass Du ihn sofort auf Social Media posten oder Deiner besten Freundin zum Lesen schicken sollst. Nein, ich meine richtig zur Seite legen. Für ein paar Tage oder – wenn Du die Geduld eines buddhistischen Mönchs hast – eine ganze Woche. Warum? Weil Du nach dem Schreiben betriebsblind bist.

Du hast gerade ein riesiges Puzzle fertiggelegt. Du bist stolz wie Oskar, aber beim genauen Hinsehen merkst Du: Mist, zwei Teile sind falsch herum, und in der Mitte klafft ein Loch. Genau so ist es mit Deinem Text. Nach Tagen des Schreibens bist Du so tief drin, dass Du die Fehler nicht mehr siehst. Es ist, als würdest Du versuchen, den Wald zu erkennen, während Du mitten in einem Baum festhängst. Klingt absurd, oder? Aber genau das passiert.

Wenn Du Abstand gewinnst, gibst Du Deinem Gehirn die Chance, den „Text-Modus“ auszuschalten und wieder in den „Leser-Modus“ zu wechseln. Später, mit frischen Augen und einem klaren Kopf, wirst Du Deinen Text lesen und plötzlich all die holprigen Sätze, langweiligen Phrasen und überflüssigen Wiederholungen erkennen. Es ist, als würdest Du eine magische Brille aufsetzen, die alle Schwächen hervorhebt. Und glaub mir, das wirkt Wunder.

Also, hier mein Vorschlag: Mach nach dem Schreiben etwas ganz anderes. Geh spazieren, backe einen Kuchen, binge-watch Deine Lieblingsserie – Hauptsache, Du lenkst Dich ab und denkst nicht an Deinen Text. Und wenn Du dann zurückkommst, bist Du bereit, Deinem Werk den letzten Schliff zu verpassen. Klingt gut? Na dann, ab an die frische Luft!

Ueberprüfung Text - Illustration 1

Tipp 2: Lies Deinen Text laut vor – Sei Dein eigener Erzähler

Okay, ich gebe zu, das klingt auf den ersten Blick ein bisschen albern. Du sitzt da, ganz allein, und sprichst Deinen Text laut vor – könnte jemand zusehen, wäre es vermutlich ziemlich peinlich. Aber vertrau mir: Diese Methode ist ein echter Gamechanger. Warum? Ganz einfach: Dein Gehirn ist ein Schlitzohr. Es gaukelt Dir vor, dass Dein Text perfekt ist. Alles klingt in Deinem Kopf, als wäre es direkt von einem Bestseller-Autor geschrieben. Aber sobald Du ihn laut liest, fällt die rosarote Brille ab. Plötzlich hörst Du Sätze, die sich anhören wie ein Zungenbrecher auf Steroiden, und Phrasen, die so holprig sind, dass sie eine ganze Baustelle alt aussehen lassen.

Der Trick dabei: Beim lauten Vorlesen nimmst Du Deinen Text auf eine ganz neue Weise wahr. Es ist fast so, als würdest Du zum ersten Mal jemand anderem zuhören. Und genau da liegt die Magie. Denn jeder Stolperstein, jedes Stottern und jedes „Was zur Hölle wollte ich hier eigentlich sagen?“ ist ein untrügliches Zeichen, dass dieser Satz eine kleine Schönheitskur braucht.

Ein weiterer Vorteil des lauten Lesens: Du spürst den Rhythmus und die Melodie Deines Textes. Ja, richtig gelesen – Texte haben so etwas wie Musik. Manche Sätze fließen sanft dahin, wie ein ruhiger Fluss. Andere springen voran wie ein fröhlicher Bach. Und dann gibt es noch die, die sich anhören wie ein schräger Ton in einem schlecht gestimmten Klavier. Dein Ziel? Eine harmonische Melodie, die Deine Leser in den Bann zieht und sie nicht schreiend wegrennen lässt.

Also, schnapp Dir Deinen Text, nimm all Deinen Mut zusammen und werde Dein eigener Erzähler. Und falls jemand fragt, was Du da machst, sag einfach: „Ich perfektioniere meine Kunst.“ Klingt doch viel besser als: „Ich rede mit mir selbst.“

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Tipp 3: Fokus auf eine Ebene – Eins nach dem anderen

Ah, der Klassiker unter den Fehlern: Alles auf einmal machen wollen. Du kennst das. Da sitzt Du vor Deinem Text und denkst Dir, „Okay, jetzt werde ich ALLES gleichzeitig perfekt machen – Grammatik, Stil, Inhalt, vielleicht noch ein bisschen Plot-Twisting dazwischen.“ Klingt produktiv, oder? Ist es aber leider nicht. Es endet meistens in einem frustrierten Chaos, bei dem Du am Ende nicht mal mehr weißt, was Du überhaupt verbessern wolltest.

Hier also mein gut gemeinter Rat: Mach’ Dir das Leben leichter. Konzentrier’ Dich bei jedem Durchgang auf eine Ebene. Wirklich, eins nach dem anderen.

Erster Durchgang: Grammatik und Rechtschreibung

Ja, ich weiß, bäh. Aber es bringt absolut nichts, Deinen Text zu polieren, wenn da Tippfehler wie Straßenschwellen rumspringen. Also schnapp Dir die virtuelle Lupe und geh’ auf Fehlersuche. Tippfehler, Kommafehler, „das“ und „dass“-Verwechslungen – alles, was Leser irritieren könnte, muss weg. Denk daran: Nichts schreit lauter „Unprofessionell!“ als ein „aber dort hattte er…“ mit drei „t“s zu viel. Wenn Du Dir unsicher bist, dann lass ein Rechtschreibprogramm drüber laufen oder frag jemanden, der diese Details liebt – ja, solche Leute gibt es wirklich!

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Zweiter Durchgang: Stil und Sprache

Jetzt wird’s spannend. Lies Deinen Text mit einer Frage im Hinterkopf: Klingen die Sätze lebendig? Oder hören sie sich an, als würden sie in einer Bedienungsanleitung stehen? Achte darauf, dass Dein Text fließt, dass die Sprache ansprechend ist und dass Du nicht in die berühmte Adjektiv-Falle tappst. Du weißt schon, diese Stelle, an der Du Deinen Lesern unbedingt erklären wolltest, wie unglaublich, faszinierend, hinreißend und sagenhaft Dein Protagonist aussieht. Weniger ist hier oft mehr. Und falls Du überlegst, ob Du diesen einen, ultralangen Satz mit acht Kommas und zwei Semikolons stehen lassen solltest: Die Antwort ist Nein. Punkt.

Dritter Durchgang: Inhalt

Jetzt kommt die große Frage: Passt alles zusammen? Hat Deine Geschichte überhaupt einen Sinn, oder hast Du irgendwo den roten Faden verloren? Überprüfe, ob Deine Botschaft klar und die Handlung logisch aufgebaut ist. Das ist auch der Moment, um kleine, aber oft peinliche Fehler zu entdecken – wie zum Beispiel, dass Dein Protagonist in Kapitel eins blaue Augen hatte, aber in Kapitel acht grüne. (Ja, das passiert den Besten!) Denk auch daran, ob Du wirklich alles gesagt hast, was gesagt werden musste. Gibt es Lücken in der Handlung oder Fragen, die unbeantwortet bleiben? Jetzt ist der Moment, das alles zu fixen.

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Tipp 4: Überflüssiges streichen – Weniger ist mehr

Okay, lass uns ehrlich sein: Wir alle lieben unsere Texte. Sie sind wie unsere Babys – wir haben sie erschaffen, sie sind perfekt, einzigartig, und jedes Wort scheint unersetzlich. Aber hier kommt die knallharte Wahrheit: Manchmal ist weniger wirklich mehr. Ja, ich weiß, das tut weh. Aber wenn Du möchtest, dass Dein Text nicht nur gut, sondern großartig ist, musst Du gnadenlos sein und den Rotstift zücken.

Fangen wir mal mit den Adjektiven an. Oh, diese wundervollen, prächtigen, überwältigenden Adjektive, die Deinen Text so lebendig machen sollen. Aber mal ehrlich: Braucht dieser eine Satz wirklich drei davon? Nein? Dann streich sie. Du willst Deinen Leser doch nicht das Gefühl geben, dass sie gerade ein blumiges Gedicht lesen, wenn sie eigentlich einen knackigen Text erwarten, oder?

Jetzt zu den Nebensätzen. Diese kleinen Wörtchen, die Deinen Text so elegant verzieren, aber manchmal einfach nur stören. Stell Dir vor, Du erzählst jemandem eine Geschichte, und Du drückst zwischendrin immer wieder auf Pause, um Details zu erklären, die niemand wissen wollte. Genau das machst Du, wenn Du zu viele Nebensätze einbaust. Die Frage, die Du Dir hier stellen solltest, lautet: „Lenkt das ab, oder bringt das wirklich Mehrwert?“ Wenn es nur schmückt, dann weg damit.

Hier kommt ein kleiner Test, den ich Dir ans Herz lege: Lies einen Satz und frag Dich ehrlich – „Wenn ich das streiche, ändert sich der Sinn des Textes?“ Wenn die Antwort „Nein“ ist, dann fliegt der Satz raus. Kein Wenn und Aber. Du wirst merken, wie viel klarer und kraftvoller Dein Text wird, wenn Du ihn von Ballast befreist.

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Tipp 5: Perspektive überprüfen – Wer erzählt hier eigentlich?

Schon mal einen dieser Filme gesehen, bei denen die Kamera so oft hin- und herspringt, dass Du Dich fragst, ob Du im Kino oder auf einer Achterbahn bist? Genau das passiert, wenn die Perspektive in einem Text ständig wechselt. Und glaube mir, niemand möchte ein Buch lesen, das sich wie ein schlechter Actionfilm anfühlt, bei dem Du vor lauter Sprünge die Handlung verlierst.

Also, lass uns das klären: Wer erzählt hier eigentlich? Ist es Deine Hauptfigur, die uns in der Ich-Perspektive durch ihre Welt führt? Oder hast Du Dich für einen allwissenden Erzähler entschieden, der über den Dingen schwebt wie eine Art literarischer Gott? Beides ist okay. Aber was nicht okay ist: ständiges Hin- und Herspringen. Wenn Du mitten im Text plötzlich von der Sichtweise Deiner Hauptfigur in den Kopf ihrer besten Freundin wechselst, ohne Vorwarnung – tja, dann hast Du ein Problem. Denn Deine Leser sind keine Gedankenleser. Sie wollen eine klare Linie, jemanden, an den sie sich halten können.

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So bekommst Du die Perspektive in den Griff

  • Bleib konsequent. Wenn Du aus der Sicht einer Figur schreibst, dann bleib dabei. Das heißt, wir sehen, hören und fühlen alles, was diese Figur erlebt – und nur das. Keine kleinen Abstecher in die Gedankenwelt anderer Figuren. Das gilt besonders, wenn Du in der Ich- oder personalen Perspektive schreibst.
  • Plane Deinen Erzählstil. Bevor Du mit dem Schreiben beginnst, entscheide Dich für eine Perspektive und halte Dich daran. Ist es die Ich-Perspektive? Die personale Perspektive? Oder doch der auktoriale Erzähler, der alles weiß und nichts verschweigt? Schreib es Dir auf, wenn es hilft.
  • Prüfe beim Überarbeiten. Geh Deinen Text durch und achte bewusst darauf, ob die Perspektive irgendwo ins Wanken gerät. Ein plötzlicher Wechsel in eine andere Sichtweise ist oft subtil, aber für den Lesefluss ein echter Killer.

Perspektivwechsel können spannend sein, keine Frage. Aber sie müssen gut vorbereitet und klar erkennbar sein. Ansonsten wirft Dein Leser irgendwann Dein Buch quer durchs Zimmer – und das willst Du doch nicht, oder?

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Tipp 6: Logik und Konsistenz hinterfragen – Macht das Sinn?

Der Held in einer Szene steht plötzlich in Flammen und in der nächsten Szene isst er fröhlich ein Eis – ohne eine Erklärung. Was bleibt? Verwirrung, ein Stirnrunzeln und die Frage: „Wer hat das Drehbuch geschrieben?“ Genau das passiert, wenn die Logik und Konsistenz in deinem Text hinken. Also, lass uns mal schauen, wie Du diese Stolpersteine vermeidest.

#1 Handlung

Passt alles zusammen, oder gibt es Momente, die Dich selbst ins Grübeln bringen? Zum Beispiel: Dein Protagonist hat in Kapitel 1 Angst vor Höhen, und in Kapitel 3? Da springt er lässig aus einem Flugzeug – ohne Fallschirm. Wenn Du es nicht logisch erklären kannst, solltest Du entweder den Fallschirmsprung streichen oder schon vorher zeigen, wie er seine Höhenangst überwindet. Leser haben ein feines Gespür für solche Widersprüche und lieben es, darauf hinzuweisen. Gönn ihnen nicht diese Genugtuung.

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#2 Charaktere

Verhalten sie sich realistisch? Oder wechselt Dein Hauptcharakter seine Persönlichkeit schneller als eine Chamäleon seine Farbe? Leser wollen Figuren, die nachvollziehbar handeln. Wenn Dein Held in einer Szene liebevoll die Welt umarmt und in der nächsten Szene grundlos seinen Nachbarn anschreit, dann sollte es einen verdammt guten Grund dafür geben – und zwar einen, den Du klar zeigst.

#3 Details

Hier kann es richtig heikel werden. Deine Heldin hat blaue Augen? Wunderbar. Aber wenn diese Augen in Kapitel 5 plötzlich grün sind, ohne dass sie Kontaktlinsen erwähnt, wird’s peinlich. Oder noch besser: Dein Charakter ist Linkshänder und greift im nächsten Kapitel plötzlich mit rechts zum Stift. Klingt trivial? Vielleicht. Aber solche kleinen Fehler können Leser komplett aus Deiner Geschichte reißen.

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Tipp 7: Sprache und Stil verbessern – Bring Leben in Deine Worte

Ein Text ohne Stil ist wie ein Brot ohne Butter – trocken, langweilig und irgendwie deprimierend. Du setzt Dich voller Vorfreude an einen Text, nur um festzustellen, dass er so spannend ist wie die Bedienungsanleitung eines Toasters. Genau das wollen wir verhindern.

Also, wie bringst Du Leben in Deine Worte?

Erstens: Lass die Klischees in der Kiste. Formulierungen wie „es war einmal“ oder „plötzlich war alles anders“ sind so ausgelutscht, dass sie nur noch Gähnen auslösen – außer natürlich, Du schreibst ein Märchen oder eine Parodie darauf. Versuch stattdessen, Deine Leser mit originellen Wendungen zu überraschen. Frag Dich: Was habe ich schon tausendmal gelesen, und wie kann ich das anders machen?

Zweitens: Experimentiere mit Satzlängen. Kurze Sätze erzeugen Tempo, lange Sätze laden zum Verweilen ein. Kombiniere beides für einen dynamischen Rhythmus. Und falls Du mal eine Prise Drama brauchst, hau einen kurzen, knackigen Satz raus. Einfach so. Zack.

Drittens: Verben sind Deine besten Freunde – aber nur die starken. Schwache Verben sind wie labbrige Pommes: Niemand braucht sie. Anstatt „gehen“ kannst Du „schlurfen“, „stapfen“ oder „marschieren“ schreiben. Jedes dieser Verben malt ein ganz anderes Bild. Und genau darum geht’s: Bilder im Kopf Deiner Leser zu schaffen.

Aber Achtung: Bitte nicht übertreiben. Niemand hat Lust, sich durch einen Satz zu quälen, der mehr Kurven hat als eine Achterbahn. Wenn Dein Leser dreimal ansetzen muss, um zu verstehen, was Du sagen willst, hast Du Dein Ziel verfehlt. Klarheit geht immer vor Komplexität. Versuch also, eine Balance zu finden zwischen Kreativität und Verständlichkeit.

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Tipp 8: Feedback einholen – Lass andere ran (und zwar die Ehrlichen!)

Okay, wir kommen jetzt zu einem der schwierigsten Teile des ganzen Schreibprozesses: Du musst Deinen Text anderen zeigen. Ich weiß, das klingt erst mal gruselig – wie der Moment, wenn Du auf einer Party Karaoke singen sollst, ohne vorher zu üben. Aber glaub mir, Feedback ist goldwert. Warum? Weil, wie bereits erwähnt, Du als Autor irgendwann betriebsblind wirst. Dein Text könnte vor Rechtschreibfehlern nur so strotzen, logische Lücken haben oder einfach keinen Spaß machen – und Du merkst es nicht. Du brauchst also die kritischen Augen anderer, auch wenn das ein bisschen Überwindung kostet.

Wähle Deine Kritiker klug!

Lass mich eines gleich klarstellen: Nicht jeder ist geeignet, Deinen Text zu beurteilen. Deine Oma, die jeden Buchstaben Deiner Einkaufsliste für ein literarisches Meisterwerk hält, ist vielleicht nicht die beste Wahl. (Es sei denn, Deine Zielgruppe besteht aus Omas, die Einkaufsliste-Romane lieben – dann nur zu!) Stattdessen brauchst Du Leute, die ehrlich sind. Ja, genau, die Sorte, die Dich darauf hinweisen, dass Dein Protagonist in Kapitel 3 plötzlich die Augenfarbe wechselt oder dass Deine Dialoge klingen, als hätte ein Roboter sie geschrieben.

Das können Freunde oder Familie sein – aber nur, wenn sie wirklich ehrlich zu Dir sind. Noch besser: Schreibkollegen oder andere Autoren. Die wissen, worauf es ankommt, und können Dir hilfreiche Tipps geben, ohne Dir das Herz zu brechen. Meistens jedenfalls.

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Feedback einholen wie ein Profi

Jetzt kommt der Trick: Gib Deinen Testlesern eine Art „Fahrplan“. Wenn Du ihnen einfach den Text in die Hand drückst und sagst: „Hier, sag mal was dazu“, wirst Du am Ende Sätze hören wie „Ja, war gut“ oder „Mir hat’s gefallen“. Super hilfreich, oder? Nicht. Was Du brauchst, ist konkretes Feedback – und dafür musst Du gezielte Fragen stellen.

Hier ein paar Beispiele für Fragen, die Du stellen kannst:

  • Handlung: „War die Story nachvollziehbar? Gab es Stellen, an denen Du den Faden verloren hast?“
  • Charaktere: „Fanden die Figuren realistisch? Oder hatten sie die Tiefe einer Pfütze?“
  • Spannung: „Gab es langweilige Stellen? Oder Passagen, bei denen Du einfach nur weiterblättern wolltest?“
  • Ende: „Hat der Schluss für Dich funktioniert? Oder war er so enttäuschend wie ein Feuerwerk, das nicht zündet?“

Diese Fragen geben Deinen Testlesern eine Richtung und sorgen dafür, dass sie Dir wirklich nützliches Feedback geben können.

Sei bereit für Kritik (und nimm sie nicht persönlich)

Hier kommt der unangenehme Teil: Feedback kann wehtun. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als zu hören, dass die Stelle, auf die Du besonders stolz warst, Deine Leser total kalt gelassen hat. Aber hey, das gehört dazu. Denk daran, dass jede Kritik eine Chance ist, besser zu werden. Und auch wenn es schwerfällt: Nimm die Anmerkungen nicht persönlich. Dein Text ist nicht Dein Baby – es ist ein Werk, das durch Kritik nur wachsen und besser werden kann.

Aber! Das heißt nicht, dass Du alles, was Dir gesagt wird, auch umsetzen musst. Wenn jemand sagt: „Ich finde, Du solltest aus Deiner Sci-Fi-Geschichte einen Liebesroman machen“, dann ist das vielleicht nett gemeint, aber völliger Unsinn. Filter das Feedback, nimm das an, was sinnvoll ist, und lass den Rest einfach links liegen.

Bonus-Tipp: Hol Dir Feedback aus verschiedenen Quellen

Wenn Du die Möglichkeit hast, lass mehrere Leute Deinen Text lesen. So bekommst Du unterschiedliche Perspektiven. Vielleicht findet eine Person den Protagonisten super sympathisch, während jemand anders sagt, er sei der unsympathischste Typ seit der Erfindung des Bösewichts. Das hilft Dir, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie Dein Text tatsächlich bei Lesern ankommt.

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Tipp 9: Rechtschreibung und Grammatik prüfen – Die Pflichtübung

Ja, ich weiß, Rechtschreibung und Grammatik klingen nicht gerade wie die aufregendsten Themen der Welt. Wenn das kreative Schreiben ein Abenteuer ist, dann ist dieser Schritt der bürokratische Papierkram, den man am Flughafen erledigen muss, bevor man überhaupt losfliegen darf. Aber – und das ist ein großes Aber – es ist absolut notwendig. Warum? Ganz einfach: Ein Text voller Fehler wirkt wie ein schicker Anzug mit Ketchup-Flecken. Egal, wie großartig Deine Geschichte ist, die Leser werden die Fehler sehen, sich die Augen reiben und sich fragen, ob Du Dich überhaupt angestrengt hast. Und das willst Du nicht, oder?

Jetzt fragst Du Dich vielleicht: „Kann ich nicht einfach eine dieser fancy Rechtschreibprogramme wie Grammarly oder den Duden-Mentor nutzen und den Rest dem Algorithmus überlassen?“ Natürlich kannst Du das. Und Du solltest auch. Diese Tools sind kleine Lebensretter, wenn es darum geht, offensichtliche Fehler zu finden – die überflüssigen Leerzeichen, die vergessenen Kommata, die „ihn“ statt „ihm“-Fehler. Aber hier kommt der Haken: Diese Programme sind gut, aber nicht perfekt. Manchmal schlagen sie Korrekturen vor, die genauso falsch sind, wie das, was Du ursprünglich geschrieben hast. Sie verstehen nämlich nicht immer den Kontext – und Kontext ist bei Sprache alles.

Tipp 10: Emotionale Wirkung testen – Wie fühlt sich Dein Text an?

Okay, jetzt wird’s ernst. Du hast Deinen Text geschrieben, gefeilt, gestrichen, neu geschrieben und wieder gestrichen. Aber bevor Du Dich in den Sonnenuntergang verabschiedest, gibt es eine letzte, entscheidende Frage:

Trifft Dein Text mitten ins Herz, oder prallt er ab wie ein schlecht geworfener Gummiball?

Anders gesagt: Lacht der Leser, wenn er lachen soll? Weint er, wenn er weinen soll? Kriegt er bei der romantischen Szene Herzklopfen, oder ist ihm so langweilig, dass er nebenbei den Abwasch macht? Genau darum geht’s hier – die emotionale Wirkung.

Egal, was Du schreibst – einen nervenaufreibender Thriller, eine bittersüße Liebesgeschichte oder eine witzige Satire über die Bürokratie im Feenreich – Deine Geschichte lebt von den Emotionen, die sie bei Deinen Lesern auslöst. Ohne Emotionen ist Dein Text wie ein wunderschön dekorierter Kuchen, der nach Pappe schmeckt. Leser wollen fühlen. Und Du als Autor bist derjenige, der diese Gefühle steuert. Klingt nach Macht, oder? Ist es auch. Aber es ist eine Verantwortung, die Du ernst nehmen musst.

Hier kommt der spaßige Teil. Setz Dich hin und versuch, Deinen Text durch die Augen Deines Zielpublikums zu lesen. Schreibst Du für Jugendliche? Dann frag Dich, ob sie sich in Deine Figuren hineinversetzen können oder ob sie denken: „Boah, das ist ja voll cringe.“ Schreibst Du für Fantasy-Fans? Dann überleg, ob Dein epischer Showdown tatsächlich episch ist – oder ob Deine Drachen nur wie große Hühner mit Flügeln wirken.

Wenn das allein nicht reicht, hol Dir Unterstützung: Lass jemanden Deinen Text lesen, der nicht in Deinem Kopf lebt. Frag sie: „Hat Dich die Geschichte berührt? Was hast Du gefühlt?“ Und sei bereit, die Antworten zu akzeptieren, auch wenn sie wehtun.

Ueberprüfung Text - Illustration 4

Wie Du die Emotionen Deines Textes überprüfst

  • Der Lacht-Test: Hast Du eine Szene geschrieben, die witzig sein soll? Dann lies sie laut vor. Lässt sie Dich kichern? Oder klingt sie so, als hättest Du Dich zu sehr bemüht, lustig zu sein?
  • Der Herzklopf-Test: Wenn es eine spannende oder romantische Szene ist, frag Dich: Kribbelt es in Deinem Bauch? Fühlst Du die Spannung? Oder liest sich die Szene eher wie ein Wetterbericht?
  • Der Kloß-im-Hals-Test: Für traurige oder emotionale Momente: Steigt Dir ein Kloß in den Hals? Tränen in die Augen? Wenn nicht, dann hat die Szene noch nicht genug Tiefgang.

Was, wenn die Emotionen nicht stimmen?

Hier ist die gute Nachricht: Emotionale Wirkung ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn Dein Text nicht so wirkt, wie Du es Dir vorgestellt hast, kannst Du daran arbeiten.

  • Fehlt es an Tiefe? Dann tauche tiefer in Deine Figuren ein. Zeig, was sie denken, fühlen, fürchten.
  • Zu flach? Bring mehr Details ins Spiel. Ein Sonnenuntergang ist schön, aber wie fühlt sich das Licht auf der Haut an? Wie riecht die Luft?
  • Zu viel Drama? Nicht jede Szene muss vor Emotionen überlaufen. Manchmal ist weniger mehr. Subtilität kann stärker wirken als ein emotionaler Overkill.

Humor als Waffe der Emotion

Und noch ein Tipp: Humor ist eine fantastische Möglichkeit, Emotionen zu verstärken. Selbst in den dunkelsten Momenten kann ein kleiner, kluger Witz die Szene noch eindrucksvoller machen – weil er unerwartet ist. Also, hab keine Angst, auch in ernsten Szenen einen Funken Humor einzubauen.

Warum Perfektion langweilig ist und Persönlichkeit gewinnt (Video)

Die berühmten Schlussgedanken

Lass uns mal ehrlich sein: Perfektion ist ein Mythos. So ein Ding, das uns eingeredet wurde, um uns ewig unzufrieden zu halten. Kein Text ist perfekt – wirklich keiner. Nicht mal die literarischen Meisterwerke, die in irgendwelchen staubigen Bibliotheken als unantastbar gelten. Und das ist vollkommen in Ordnung. Warum? Weil Texte nicht perfekt sein müssen, um großartig zu sein. Sie müssen nur eines: funktionieren. Und dafür hast Du jetzt jede Menge Tipps an der Hand.

Das heißt aber nicht, dass Du nachlässig sein sollst. Nein, ganz im Gegenteil! Die Magie liegt in der Mühe. Es geht darum, an Deinem Text zu feilen, ihn zu schleifen, wie ein Juwel, bis er funkelt. Aber wenn da ein winziger Kratzer bleibt, dann lass ihn. Das macht den Stein nur einzigartig.

Ja, Schreiben ist Arbeit. Und ja, Überarbeiten kann nervig sein. Aber es gibt nichts Befriedigenderes, als zu sehen, wie Deine Texte lebendig werden, wie sie atmen, lachen, weinen – und wie sie andere berühren.

Also, worauf wartest Du noch? Ran an die Tasten, hol das Beste aus Deinen Texten heraus – und zeig der Welt, was Du draufhast. Und vergiss nie: Perfektion gibt es nicht. Aber großartig? Großartig liegt in Deiner Reichweite.

„Happy writing“!

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