Die „Show don't tell“-Technik lernen Anfänger oft durch trockene Theorie – dabei ist sie viel einfacher als gedacht.
Statt zu sagen „Maria war wütend“, zeigst Du: „Maria knallte die Tür zu. Ihre Fingerknöchel wurden weiß, als sie die Autoschlüssel umklammerte.“ Dieser Beitrag zeigt Dir in 7 konkreten Schritten, wie Du diese Technik sofort in Deinen Texten anwendest – inklusive praktischer 10-Minuten-Übung.
Wenn Du die „Show don't tell“-Technik lernen willst, stehst Du wahrscheinlich vor diesem Problem: Deine Texte fühlen sich flach an. Charaktere wirken eindimensional. Emotionen verpuffen, statt zu berühren. Der Grund? Du erzählst Deinen Lesern, was passiert – aber Du zeigst es ihnen nicht.
„Show Don't Tell“ ist keine mystische Schreibregel, sondern ein Werkzeug. Ein verdammt mächtiges dazu. Es verwandelt langweilige Zusammenfassungen in lebendige Szenen. Statt „er war nervös" schreibst Du: „Sein Fuß wippte unter dem Tisch. Alle dreißig Sekunden checkte er sein Handy."
In diesem Beitrag lernst Du die Technik in 7 praktischen Schritten. Keine Theorie-Wüsten. Keine abstrakten Konzepte. Nur konkrete Anleitungen, die Du direkt umsetzen kannst. Am Ende wartet eine 10-Minuten-Übung auf Dich, mit der Du sofort loslegst.
- 1) Was ist eigentlich dieses „Show Don't Tell“?
- 2) Schritt 1: Ersetze Gefühls-Wörter durch körperliche Reaktionen
- 3) Schritt 2: Nutze die Umgebung als Spiegel der Stimmung
- 4) Schritt 3: Zeige Charaktere durch ihr Verhalten
- 5) Schritt 4: Nutze Dialoge intelligent
- 6) Schritt 5: Zeige Zeit durch Veränderung
- 7) Schritt 6: Wähle konkrete Details statt vager Beschreibungen
- 8) Schritt 7: Balance finden – Wann Du Telling nutzen solltest
- 9) Häufige Fehler bei Show Don't Tell
- 10) Die 10-Minuten-„Show-Don't-Tell“-Übung
- 11) Häufige Fragen zu „Show Don't Tell“
- 12) Die berühmten Schlussgedanken
- 13) Buchempfehlungen
Was ist eigentlich dieses „Show Don't Tell“?
„Show Don't Tell“ bedeutet: Zeige Deinen Lesern durch konkrete Details, was passiert – anstatt es ihnen direkt zu sagen.
Telling: Lisa war traurig. Showing: Lisas Blick klebte am Boden. Sie zog die Schultern hoch und wickelte ihre Arme um den Oberkörper.
Warum ist das wichtig? Weil Dein Gehirn Bilder liebt. Wenn Du „traurig“ liest, passiert wenig. Wenn Du aber siehst, wie jemand die Schultern hochzieht und sich klein macht, spürst Du die Emotion. Du erlebst sie mit.
Telling ist Zusammenfassung. Showing ist Kino im Kopf.
Hier ein Alltagsbeispiel: Stell Dir vor, Du erzählst von einem Date. Was klingt spannender?
Telling: „Das Date war schrecklich. Er war total arrogant.“
Showing: „Er unterbrach mich dreimal in fünf Minuten. Als die Kellnerin kam, schnippte er mit den Fingern. Dann erklärte er mir zwanzig Minuten lang, warum seine Ex das Problem war.“
Du siehst den Unterschied? Die zweite Version malt ein Bild und macht den Charakter lebendig. Sie lässt Dich selbst urteilen, statt Dir die Interpretation aufzudrücken.
Schritt 1: Ersetze Gefühls-Wörter durch körperliche Reaktionen
Emotionen direkt zu benennen ist bequem – aber schwach. Dein Job als Autor: Zeige die körperlichen Symptome der Emotion.
Menschen drücken Gefühle durch ihren Körper aus. Immer. Nutze das.
Statt: „Tim war nervös vor dem Vorstellungsgespräch.“
Besser: „Tims Handflächen waren feucht. Er rieb sie an seiner Hose ab, einmal, zweimal. Im Wartebereich tippte sein Fuß einen unregelmäßigen Rhythmus gegen den Stuhl.“
Warum funktioniert das? Weil Du Deinen Lesern erlaubst, die Nervosität selbst zu spüren. Sie sehen die feuchten Hände. Sie hören den wippenden Fuß. Sie ziehen ihre eigenen Schlüsse – und genau das macht gutes Schreiben aus.
So wendest Du es an
- Finde ein Gefühls-Wort in Deinem Text (traurig, glücklich, wütend, ängstlich)
- Frage Dich: Wie zeigt sich dieses Gefühl am Körper?
- Beschreibe 2-3 konkrete körperliche Reaktionen
- Lösche das Gefühls-Wort
Beispiele für körperliche Reaktionen
- Angst: Schwitzen, zitternde Hände, schneller Atem, weite Pupillen
- Wut: Geballte Fäuste, zusammengebissene Zähne, angespannte Kiefer, erhobene Stimme
- Freude: Lächeln, geweitete Augen, entspannte Schultern, federnder Gang
- Trauer: Hängende Schultern, Blick nach unten, langsame Bewegungen, leise Stimme
Tipp
Beobachte Menschen in Deinem Alltag. Wie bewegt sich jemand, der gestresst ist? Wie sieht jemand aus, der gerade gute Nachrichten bekommen hat? Dein Alltag ist Deine beste Recherche-Quelle.
Schritt 2: Nutze die Umgebung als Spiegel der Stimmung
Die Umgebung ist nicht nur Dekoration. Sie verstärkt Emotionen und Atmosphäre – wenn Du sie richtig einsetzt.
Telling: „Die Wohnung fühlte sich einsam an.“
Showing: „Die Heizung ratterte. Auf dem Küchentisch stand eine einzelne Tasse, ein Rest kalter Kaffee am Boden. Durch die geschlossenen Vorhänge drang nur ein graues Licht.“
Die Umgebung erzählt hier mehr als jede direkte Aussage.
Kalter Kaffee = Zeit ist vergangen.
Geschlossene Vorhänge = Abschottung.
Ratternde Heizung = Das einzige Geräusch in der Stille.
So wendest Du es an
- Wähle eine Szene mit einer klaren Emotion oder Stimmung
- Überlege: Welche Details der Umgebung passen zu dieser Stimmung?
- Wähle 3-4 konkrete Details aus
- Beschreibe sie ohne die Emotion zu benennen
Beispiel – Spannung aufbauen
Schwach: „Der Wald war gruselig.“
Stark: „Äste knackten unter Maries Schritten. Zwischen den Bäumen hing Nebel, dick genug, dass sie keine zehn Meter weit sah. Irgendwo in der Ferne – oder war es nah? – kreischte ein Vogel.“
Wichtig: Wähle Details, die zur Stimmung passen. Ein sonnendurchfluteter Park mit Kinderlachen erzeugt keine Spannung. Ein verlassener Spielplatz mit quietschenden Schaukeln schon.
Tipp
Schreibe eine Szene zweimal – einmal optimistisch, einmal düster. Verändere nur die Umgebungs-Details. Du wirst sehen, wie mächtig diese Technik ist.
Schritt 3: Zeige Charaktere durch ihr Verhalten
Was jemand tut, sagt mehr über ihn aus als jede Beschreibung.
Telling: „Marco war ein großzügiger Mensch.“
Showing: „An der Ampel kurbelte Marco das Fenster runter. Der Obdachlose mit dem zerknitterten Pappschild blinzelte überrascht, als Marco ihm einen Zehner und seine Mittagsstulle reichte.“
Du musst nicht sagen, dass Marco großzügig ist. Die Handlung beweist es.
So wendest Du es an
- Liste eine Eigenschaft Deines Charakters auf (großzügig, egoistisch, ängstlich, mutig)
- Frage Dich: Was würde dieser Charakter in einer konkreten Situation tun?
- Zeige diese Handlung
- Verzichte darauf, die Eigenschaft zu benennen
Weitere Beispiele
Charakter ist detailverliebt: Statt zu sagen „Anna war sehr genau“, zeige: „Anna richtete die Bilderrahmen aus, bis sie alle exakt parallel zur Tischkante hingen. Mit dem Zollstock maß sie nach: jeweils 4,2 cm Abstand zur Wand.“
Charakter ist unsicher: Statt zu sagen „Ben war unsicher“, zeige: „Ben schaute zu Lisa, dann zu Tom, dann wieder zu Lisa. 'Also ich würde sagen ... ich meine, vielleicht könnten wir...' Er räusperte sich. 'Oder was denkt ihr?'“
Tipp
Die erste Szene mit einem neuen Charakter ist entscheidend. Zeige sein Verhalten, bevor Du irgend etwas über ihn erzählst. Leser bilden sich binnen Sekunden ein Bild.
Schritt 4: Nutze Dialoge intelligent
Dialoge sind Dein mächtigstes Show-Werkzeug – wenn Du sie richtig einsetzt.
Schwacher Dialog + Telling: „Ich hasse dich“, sagte Sarah wütend.
Starker Dialog + Showing: „Ich hasse dich.“ Sarah knallte ihre Kaffeetasse auf den Tisch. Ein brauner Spritzer traf Toms Hemd.
Der Dialog allein kann viel zeigen. Aber in Kombination mit Verhalten wird er lebendig.
So wendest Du es an
- Streiche die meisten „sagte er wütend/traurig/fröhlich“-Zusätze
- Füge stattdessen eine Handlung vor oder nach dem Dialog ein
- Die Handlung zeigt die Emotion
Beispiel – Ungeduld zeigen
Schwach: „Kannst du nicht schneller machen?“, fragte er ungeduldig.
Stark: „Kannst du nicht schneller machen?“ Er tippte mit dem Autoschlüssel gegen das Armaturenbrett. Sein Blick wanderte zur Uhr.
Beispiel – Unsicherheit zeigen
Schwach: „Ich weiß nicht", sagte sie unsicher.
Stark: „Ich weiß nicht." Sie zupfte an ihrem Ärmel. „Vielleicht sollten wir... also ich meine..."
Wichtig: Du brauchst nicht bei jedem Dialog eine Handlung. Aber wenn eine Emotion wichtig ist, zeige sie durch Verhalten statt sie zu benennen.
Tipp
Lies Deine Dialoge laut vor. Wenn Du einen „sagte er wütend“-Zusatz brauchst, damit klar wird, was gemeint ist, fehlt das Showing im Dialog selbst.
Schritt 5: Zeige Zeit durch Veränderung
Zeit zu zeigen ist schwieriger als Raum oder Emotion. Aber mit der richtigen Technik funktioniert es.
Telling: „Drei Stunden später kam er endlich nach Hause.“
Showing: „Als er die Tür aufschloss, war die Sonne untergegangen. Die Pizza auf dem Küchentisch war kalt. Maries Weinglas leer.“
Du siehst: Die Veränderungen zeigen, dass Zeit vergangen ist.
Sonne weg = es ist später.
Kalte Pizza = lange gewartet.
Leeres Glas = Marie hat getrunken.
So wendest Du es an
- Markiere eine Zeitangabe in Deinem Text („später“, „nach einer Stunde“)
- Überlege: Was verändert sich in dieser Zeit?
- Zeige 2-3 dieser Veränderungen
- Lösche die direkte Zeitangabe (oder reduziere sie)
Beispiele
Jahreszeiten-Wechsel: Statt: „Der Winter verging.“ Besser: „Die Schneedecke auf dem Dach schmolz. Erste Knospen drückten sich aus den Zweigen. Maries Winterjacke hing im Schrank, unbenutzt seit zwei Wochen.“
Kurze Zeitspannen: Statt: „Sie wartete zwanzig Minuten.“ Besser: „Sie scrollte durch Instagram. Zwei Artikel auf Spiegel Online. Ein YouTube-Video über Pinguine. Ihr Kaffee war kalt geworden.“
Tipp
Besonders bei längeren Zeitsprüngen (Wochen, Monate, Jahre) zeige die Veränderung an Charakteren oder Umgebung. Ein Charakter hat längere Haare. Ein Baum ist gewachsen. Eine Beziehung ist anders.
Schritt 6: Wähle konkrete Details statt vager Beschreibungen
Vage Beschreibungen sind der Feind von Show Don't Tell.
Vage: „Das Haus war alt und heruntergekommen.“
Konkret: „Farbe blätterte von den Fensterrahmen. Die Holzstufen zur Veranda hingen schief, zwei fehlten komplett. An der Regenrinne hing ein Vogelnest – verlassen, aber noch intakt.“
Konkrete Details machen den Unterschied. Sie erzeugen Bilder im Kopf Deiner Leser.
So wendest Du es an
- Finde vage Adjektive in Deinem Text (alt, schön, hässlich, groß, klein)
- Ersetze sie durch 2-3 konkrete, sichtbare Details
- Zeige, was das Adjektiv bedeutet
Beispiele
Statt „das Restaurant war teuer“: „Die Speisekarte kam ohne Preise. Der Kellner trug Smoking. Ein einzelnes Glas Wein kostete mehr als Maries Wocheneinkauf.“
Statt „er war ein guter Koch“: „Er schnitt die Zwiebeln in perfekte Würfel, ohne hinzusehen. Das Messer tanzte über das Brett. Drei Minuten später duftete die Küche nach Knoblauch und frischem Thymian.“
Wichtig: Nicht jedes Detail braucht diese Ausführlichkeit. Wähle Details, die für die Szene oder den Charakter wichtig sind. Der Rest kann vage bleiben.
Tipp
Nutze alle fünf Sinne. Die meisten Autoren beschreiben nur, was man sieht. Aber Gerüche, Geräusche, Geschmack und Berührung sind genauso mächtig. „Der Raum roch nach nassem Hund und kaltem Zigarettenrauch“ ist viel stärker als „der Raum war unangenehm“.
Schritt 7: Balance finden – Wann Du Telling nutzen solltest
Hier die unpopuläre Wahrheit: Manchmal ist Telling die bessere Wahl.
„Show Don't Tell“ ist ein Werkzeug, keine Religion. Wenn Du jedes Detail zeigst, wird Dein Text langsam und überladen.
Wann Du Telling nutzen solltest
- Für unwichtige Informationen: Statt drei Absätze darüber zu schreiben, wie Dein Charakter zur Arbeit fährt, schreibst Du einfach: „Nach der Arbeit ging er direkt nach Hause.“
- Für Tempo: In Action-Szenen oder wenn Du schnell vorankommen musst, ist Telling effizienter. „Er rannte die Treppen hoch“ ist besser als drei Sätze über seine keuchende Atmung und schmerzenden Beine.
- Für Zusammenfassungen: Zeitsprünge, Hintergrund-Informationen, Exposition – hier ist Telling oft die klügere Wahl.
Beispiel – Tempo: „Sie diskutierten eine Stunde über den Plan.“ (Telling – weil die Details der Diskussion unwichtig sind) Dann zeigst Du die wichtige Szene: „Am Ende schmiss Lisa ihren Stift auf den Tisch. 'Ich mach das nicht.'“
Die Faustregel
- Zeige emotionale Schlüsselmomente, Charakterentwicklung, wichtige Szenen
- Erzähle Übergänge, unwichtige Details, Zusammenfassungen
Tipp
Lies Deinen Text durch und markiere alle Showing-Passagen. Wenn fünf Seiten lang nur gezeigt wird ohne dass etwas passiert, hast Du es übertrieben. Kürze oder fasse zusammen.
Häufige Fehler bei Show Don't Tell
#1 Zu viele Details auf einmal
Anfänger zeigen oft alles – und überwältigen ihre Leser.
Problem: „Marias Hände zitterten. Ihr Herz raste. Schweiß lief ihr über die Stirn. Ihre Knie wurden weich. Sie atmete schnell und flach. Ihre Augen weiteten sich.“
Besser: „Marias Hände zitterten. Sie atmete schnell und flach.“
Lösung: Wähle 2-3 starke Details. Mehr braucht es nicht.
#2 Nur auf körperliche Reaktionen setzen
Körpersprache ist toll – aber nicht alles.
Problem: „Sein Herz raste“ erscheint in jeder zweiten Szene.
Lösung: Variiere. Nutze Umgebung, Dialoge, Verhalten. Zeige Emotionen auf verschiedene Arten.
#3 Das Offensichtliche erklären
Problem: „Er ballte die Fäuste vor Wut.“
Das „vor Wut“ ist überflüssig. Geballte Fäuste zeigen bereits Wut.
Besser: „Er ballte die Fäuste.“
Lösung: Vertraue Deinen Lesern. Wenn Du etwas gezeigt hast, musst Du es nicht zusätzlich erklären.
#4 Klischees verwenden
„Ihr Herz sank.“ „Schmetterlinge im Bauch.“ „Das Blut gefror in seinen Adern.“
Diese Phrasen sind tot. Sie zeigen nichts mehr, weil sie jeder schon tausendmal gelesen hat.
Lösung: Finde eigene, frische Bilder. Wie würde Dein Charakter diese Emotion ausdrücken?
#5 Showing erzwingen, wo Telling besser passt
Problem: „Sie öffnete die Augen. Sonnenlicht fiel durch die Fenster. Sie streckte sich. Ihre Füße berührten den kalten Boden. Sie ging ins Bad. Das Wasser lief aus dem Hahn.“
Das ist langweilig, auch wenn es Showing ist.
Besser: „Nach dem Aufstehen duschte sie schnell.“
Lösung: Zeige nur, was wichtig ist. Der Rest darf erzählt werden.
Die 10-Minuten-„Show-Don't-Tell“-Übung
Diese Übung trainiert Dein Show-Don't-Tell-Gehirn. Du lernst, automatisch zu zeigen statt zu erzählen.
So geht's
1. Wähle eine Emotion
Wut, Angst, Freude, Trauer, Nervosität – egal, Hauptsache Du kennst sie gut.
2. Schreibe zwei Versionen einer kurzen Szene (je 100-150 Wörter)
Version 1 (Telling): Benenne die Emotion direkt. „Er war nervös.“ „Sie fühlte sich glücklich.“
Version 2 (Showing): Zeige dieselbe Szene ohne die Emotion zu benennen. Nutze Körpersprache, Umgebung, Verhalten.
3. Vergleiche beide Versionen
Welche ist lebendiger? Welche fühlt sich echter an?
4. Zeige Version 2 jemandem ohne Kontext
Erkennt die Person die Emotion, ohne dass Du sie benennst?
Beispiel
Emotion: Nervosität vor einem ersten Date
Version 1 (Telling): „Jan war nervös vor dem Date. Er fühlte sich unsicher und fragte sich, ob sie ihn mögen würde. Die Angst, etwas Falsches zu sagen, machte ihn noch nervöser.“
Version 2 (Showing): „Jan checkte sein Handy. Noch zehn Minuten. Er rieb seine Handflächen an der Jeans ab – schon wieder feucht. Vor dem Café blieb er stehen, atmete tief durch. Drinnen sah er sie sitzen. Sein Magen zog sich zusammen. 'Du kannst das', flüsterte er, bevor er die Tür aufdrückte.“
Siehst Du den Unterschied? Version 2 lässt Dich die Nervosität miterleben statt sie nur zu wissen.
Tipp
Wenn Du merkst, dass Du doch ein Gefühls-Wort verwendest, ersetze es durch eine körperliche Reaktion oder eine Handlung. Dein Ziel: Die Emotion ist spürbar, ohne dass Du sie jemals direkt benennst.
Häufige Fragen zu „Show Don't Tell“
Wie lange dauert es, die „Show Don't Tell“-Technik zu lernen?
Die Grundlagen verstehst Du in einer Stunde. Aber sie wirklich zu beherrschen? Das braucht Übung. Rechne mit 3-6 Monaten regelmäßigem Schreiben, bis „Show Don't Tell“ zur zweiten Natur wird. Der Trick: Schreibe bewusst. Nach jeder Szene fragst Du Dich: Habe ich gezeigt oder erzählt? Mit der Zeit passiert es automatisch.
Wichtig ist, dass Du nicht perfekt sein musst. Selbst erfahrene Autoren überarbeiten ihre Texte und wandeln Telling in Showing um. Es ist ein Handwerk, kein angeborenes Talent.
Muss ich immer „Show Don't Tell“ verwenden, oder darf ich auch manchmal erzählen?
Definitiv darfst Du erzählen. Sogar berühmte Autoren mischen beides. Die Kunst liegt in der Balance. Zeige emotionale Höhepunkte, wichtige Charaktermomente und Szenen, die Deine Geschichte vorantreiben. Erzähle Übergänge, unwichtige Details und Hintergrundinformationen. Ein Roman, der nur zeigt, ist anstrengend zu lesen. Ein Roman, der nur erzählt, ist langweilig. Die Mischung macht's.
Faustregel: 70% Showing in wichtigen Szenen, 30% Telling für den Rest.
Was ist der Unterschied zwischen Showing und blumiger Sprache?
Showing ist konkret und präzise. Blumige Sprache ist oft vage und metaphorisch. Beispiel für blumige Sprache: „Ihre Seele tanzte im Licht der aufgehenden Sonne.“ Das klingt poetisch, aber es zeigt nichts Konkretes.
Showing dagegen: „Sie lächelte, als die ersten Sonnenstrahlen ihr Gesicht trafen. Ihre Schultern senkten sich." Hier siehst Du, was passiert. Showing nutzt sichtbare, spürbare Details. Blumige Sprache nutzt Metaphern und Abstraktionen. Beides hat seinen Platz, aber für starkes „Show Don't Tell“ bleibst Du bei konkreten Bildern.
Wie übe ich Show Don't Tell am besten?
Probiere diese drei Methoden:
Erste Methode – Nimm einen Deiner alten Texte und markiere alle Telling-Stellen. Schreibe sie um in Showing.
Zweite Methode – Beobachte Menschen im Alltag. Notiere, wie sie Emotionen körperlich ausdrücken. Diese Beobachtungen fluten Dein Schreiben.
Dritte Methode – Lies bewusst. Wenn Du ein Buch liest, markiere Showing-Stellen. Analysiere, wie der Autor es gemacht hat. Was zeigt er? Was lässt er weg? Je mehr Du gutes Showing siehst, desto natürlicher wird es für Dich.
Funktioniert „Show Don't Tell“ in allen Genres gleich gut?
„Show Don't Tell“ funktioniert in jedem Genre, aber die Dosierung variiert. In literarischer Fiktion und Fantasy zeigst Du oft ausführlich, um Atmosphäre und Charaktertiefe zu schaffen. In Thrillern und Action-Romanen balancierst Du Showing mit Tempo – zu viel Detail bremst die Spannung. In Romance zeigst Du besonders bei emotionalen Schlüsselszenen, während Übergänge knapp gehalten werden. Young Adult Romane leben von authentischem Showing bei Gefühlen und zwischenmenschlichen Konflikten.
Die Kunst liegt darin, zu erkennen, wo Dein Genre mehr Showing braucht.
Faustregel: Je wichtiger die emotionale Wirkung, desto mehr zeigst Du.
Die berühmten Schlussgedanken
„Show Don't Tell“ verwandelt flache Texte in lebendige Geschichten. Die Technik ist simpel: Zeige körperliche Reaktionen statt Emotionen zu benennen. Nutze die Umgebung als Stimmungsverstärker. Lass Charaktere durch ihr Verhalten sprechen. Wähle konkrete Details statt vager Beschreibungen.
Die sieben Schritte geben Dir ein Werkzeug an die Hand, das sofort funktioniert. Du musst nicht monatelang Theorie pauken. Du fängst heute an. Nimm eine Szene aus Deinem aktuellen Projekt und arbeite sie um. Suche nach Telling-Stellen und verwandle sie in Showing.
Vergiss nicht: Perfektion kommt später. Erst schreibst Du. Dann überarbeitest Du. „Show Don't Tell“ ist ein Handwerk, das mit jeder Geschichte besser wird. Die 10-Minuten-Übung weiter oben ist Dein Startpunkt.
Jetzt bist Du dran: Schnapp Dir Stift und Papier (oder Laptop) und probiere die Übung aus. Zehn Minuten. Eine Emotion. Zwei Versionen. Du wirst überrascht sein, wie viel stärker Version 2 wirkt.
Und wenn Du merkst, dass Deine Texte plötzlich lebendiger werden – dass Deine Charaktere atmen und Deine Szenen im Kopf Deiner Leser ablaufen wie ein Film – dann weißt Du: Die Technik funktioniert.
Viel Erfolg und „Happy writing“!
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