Vielschichtige Charaktere entwickeln ist eine der wichtigsten Fähigkeiten für Autoren.
In diesem Artikel lernst du 5 praxiserprobte Techniken, mit denen deine Figuren Tiefe, Persönlichkeit und Beziehungen bekommen. Außerdem kannst Du mit der 15-Minuten-Charekterentwicklung direkt Deinen ersten Charakter erstellen.
Sobald man sich Gedanken über eine Geschichte macht, aus der am Ende am besten sogar ein Buch entstehen soll, kommt unter anderem eine wichtige Frage auf: Was macht eine gute Geschichte aus? Nun, wie so oft im Leben gibt es auch auf diese Frage nicht nur eine klare Antwort. Sondern vielmehr der Mix aus unterschiedlichen Faktoren führt zu einer guten Geschichte. Natürlich werde ich in diesem Beitrag nicht alle Faktoren aufzählen können, daher nehme ich mir erst einmal einen vor. Wir wissen zumindest, dass das Schreiben einer Geschichte wie eine aufregende Reise durch eine unerforschte Welt sein kann. Aber selbst die farbenfrohste Welt ist ohne faszinierende Charaktere einfach nur langweilig.
Lass uns daher auf die Komponente jeder guten Geschichte konzentrieren: die Charaktere. Wie werden unsere Charaktere zu unvergesslichen Helden (oder auch Schurken!) und wie können wir die Leser mitreißen und in den Bann der Charaktere ziehen? Lass es uns gemeinsam erkunden!
- 1) Grundlagen der Charakterentwicklung
- 2) „Charakterentwicklung für Anfänger“
- 3) Flache vs. vielschichtige Charaktere
- 4) Eigenschaften eines vielschichtigen Charakters
- 5) 5 Tipps zur Charakterentwicklung
- 6) Techniken, die Du verwenden kannst
- 7) Die 15-Minuten-Charakterentwicklung
- 8) FAQ: Die häufigsten Fragen zur Charakterentwicklung
- 9) Die berühmten Schlussgedanken
- 10) Buchempfehlungen
Grundlagen der Charakterentwicklung
Bevor wir uns nun aber in die unergründlichen Tiefen der Charakterentwicklung stürzen, sollten wir vielleicht mit den Grundlagen anfachen. Wenn wir an unsere Lieblingsgeschichten denken, dann kommen wir nicht umher, zu merken, dass Charaktere das Herzstück einer jeden Geschichte sind. Sie sind schließlich diejenigen, die die Handlung vorantreiben und mit denen die Leser mitfühlen und auch mitfiebern können. Doch was macht nun ein guter Charakter eigentlich aus?
Ein Charakter ist mehr als nur ein Name oder eine Beschreibung seiner äußeren Erscheinung. Er ist vielmehr eine lebendige Persönlichkeit, mit Träumen, Ängsten, Stärken und auch Schwächen. Ist der Charakter gut entwickelt, fühlt er sich an, als ob es ein echter Mensch ist. Jemand, den man kennen, mit dem man sich identifizieren oder vielleicht sogar von lernen könnte.
Stell Dir mal eine Geschichte vor, in der ein Charakter zwar super detailliert beschrieben ist, aber die komplette Story über nur im Zimmer hockt und Spiele am Computer zockt. Nun, klar könnte man versuchen, die Geschichte so mitreisend zu schreiben, dass man selbst mitfiebert, ob er den Endgegner besiegen kann, während er nebenbei ins Mikro seine Mitspieler anbrüllt. Doch ganz ehrlich, wer Teenager im Haus hat, kennt diese Geschichte zu genüge. Viel lustiger ist es doch, wenn eine wirkliche Handlung passiert (vielleicht wird er ja ins Spiel gebeamt und erfährt die Abenteuer am eigenen Leib? Hm, das gibt es schon …). Wir halten also mal fest, Charaktere sind wichtig, damit die Handlung vorangebracht wird, diverse Konflikte gelöst und Herausforderungen bewältigt werden können.
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Flache vs. vielschichtige Charaktere
Wenn wir uns in die Materie „Charakterentwicklung“ begeben, stoßen wir oftmals auf zwei Begriffe: „Flache Charaktere“ und „vielschichtige Charaktere“. Doch was steckt hinter diesen Begriffen? Eigentlich ist es recht einfach erklärt und daher mache ich es hier auch recht kurz. Flache Charaktere sind Stereotypen und entwickeln sich eindimensional, sie haben also keine wirkliche Tiefe oder Entwicklung im Laufe der Geschichte. Du erkennst sie daran, dass sie oftmals klischeehaft sind und keine echten Emotionen oder Motivationen zeigen.
Dem gegenüber steht der vielschichtige Charakter. Dieser hat viel Tiefe und Komplexität. Er hat eine Persönlichkeit, die sich während der Geschichte immer weiter entfaltet und letztendlich einen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlässt. Was wollen wir also für unsere Geschichte? Richtig, den vielschichtigen Charakter (oder vielleicht sogar mehrere)!
Eigenschaften eines vielschichtigen Charakters
Oft lese ich, dass vielschichtige Charaktere wie Diamanten sind – sie funkeln mit Tiefe und Glanz und je genauer man hinschaut, desto mehr Facetten entdeckt man. Ganz schön poetisch, aber insgeheim wahr. Doch wie bekommt man einen solch vielschichtigen Charakter geschrieben?
Nun, wie Du bereits mitbekommen hast, ist eine Eigenschaft von vielschichtige ihre Tiefe und Komplexität. Das heißt, anstatt dass sie flach und vorhersehbar sin, besitzen sie eine Vielzahl von Eigenschaften und Emotionen, die sie menschlich und greifbar machen lässt. Hinzu kommt, dass diese Eigenschaften oftmals widersprüchlich sind. Sie können zum Beispiel gleichzeitig mutig, aber auch ängstlich sein, hartnäckig und nachgiebig oder liebenswert und unangenehm. Durch diese Widersprüche im Laufe der Geschichte werden die Charaktere erst so richtig realistisch und interessant. Ähnlich wie in der realen Welt, hier sind Menschen auch selten einfach nur „gut“ oder „böse“.
Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung der einzelnen Charaktere im Laufe der Geschichte, die sie vielschichtig werden lässt. Sie verändern sich, wachsen und lernen aus ihren Erfahrungen und reagieren bei der nächsten Herausforderung anders. Die Reise des Charakters ist nicht nur eine lineare Linie, sondern enthält eine Kurve mit vielen Höhen und Tiefen.
Zum Schluss möchte ich noch auf die Eigenschaft „Authentizität“ und „Glaubwürdigkeit“ eingehen. Diese Merkmale sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung, um den Charakteren das gewisse Etwas zu geben. Sie sollten daher im Besten fall immer so handeln und auf eine Weise denken, die dem Leser plausibel erscheint. Auch die Entscheidungen sollten nachvollziehbar sein, auch wenn sie nicht immer vorhersehbar sind. Mit diesen ganzen Eigenschaften können wir es hinbekommen, dass unsere Charaktere beim Leser Begeisterung wecken und die Geschichte lebendig erscheint.
5 Tipps zur Charakterentwicklung
Die Charakterentwicklung kann ein durchaus komplexer Prozess beim Schreiben sein und verlangt oftmals viel Kreativität und Einfallsreichtum. Ich habe Dir mal ein paar Tipps mitgebracht, die Dich dabei unterstützen können, Deine Charaktere zu entwickeln.
Tipp 1: Hintergrundgeschichte Deines Charakters
Überlege Dir, woher die Charaktere in Deiner Geschichte eigentlich kommen, welche Ereignisse ihr Leben geprägt haben und was ihre Ziele und Wünsche sind. Sie sind schließlich nicht einfach so da, sondern haben bereits eine Vorgeschichte. Wie sind sie dahin gekommen, wo sie nun sind?
Tipp 2: Stärken und Schwächen Deiner Figur
Bedenke, dass kein Mensch perfekt ist und genau das sollte natürlich auch für Deine Charaktere in der Geschichte gelten. Verleihe ihnen daher Stärken, aber auch Schwächen, bzw. positive und negative Eigenschaften. So werden sie interessanter und glaubwürdiger.
Tipp 3: Eine einzigartige Persönlichkeit
Verleihe Deinen Charakteren einzigartige Persönlichkeitsmerkmale, so dass sie sich von anderen Charakteren unterscheiden. Haben Sie zum Beispiel bestimmte Eigenheiten oder individuelle Eigenschaften? So werden sie unverwechselbar.
Tipp 4: Beziehungen zu anderen Charakteren
Überlege Dir, auf welche Art und Weise Deine Charaktere mit anderen interagieren. Welche Beziehungen haben sie zu anderen Figuren? Gibt es Konflikte oder Harmonien? Wie wird die einzelne Beziehung die Entwicklung des Charakters beeinflussen?
Tipp 5: Inspiration für die Charakterentwicklung suchen
Greife auf Beispiele aus der Literatur zurück. Analysiere einmal bekannte Charaktere aus Romanen, Kurzgeschichten oder Filmen und überlege Dir, was sie zu dem macht, was sie sind.
Techniken, die Du verwenden kannst
Einen oder sogar mehrere vielschichtige Charaktere entstehen zu lassen kann schon eine große Herausforderung sein. Nutze daher ruhig einige dieser Techniken, um an das gewünschte Ziel zu gelangen
- Brainstorming & Mind Maps: Helfen erste Ideen zu sammeln und zu ordnen
- Charakter-Interviews: Interviewe doch mal Deinen erschaffenen Charakter und versetze Dich in sein Leben
- Tagebuch: Schreibe einfach mal einen Tagebucheintrag, so wie es Dein Charakter in der Geschichte machen würde
- Visualisierung: Wie sieht eigentlich der Charakter aus? Klar hast Du ihn beschrieben, aber es kann auch helfen, wenn Du ihn bildlich darstellst. Male zum Beispiel ein Portrait oder erstelle eine Collage, um ihn zum Leben zu erwecken.
Bedenke, dass es noch eine Vielzahl weiterer Techniken und Methoden gibt, um einen Charakter zu erschaffen.
Die 15-Minuten-Charakterentwicklung
Die beste Methode, um Charaktere zu entwickeln? Einfach anfangen! Diese Übung hilft Dir, in kurzer Zeit die wichtigsten Grundlagen zu schaffen – ohne Dich in Details zu verlieren.
1. Setze einen Timer auf 15 Minuten
Ernst gemeint – das hilft gegen Perfektionismus!
2. Beantworte diese 7 Fragen
- Name & Alter: Wie heißt Dein Charakter und wie alt ist er?
- Was will er? Was ist sein größtes Ziel in dieser Geschichte?
- Was steht ihm im Weg? Was hindert ihn daran, sein Ziel zu erreichen? (Äußerer Konflikt)
- Was hält ihn innerlich zurück? Welche Angst oder Schwäche blockiert ihn? (Innerer Konflikt)
- Ein prägendes Ereignis: Was ist ihm passiert, das ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist?
- Eine Stärke: Was kann er richtig gut?
- Eine Schwäche: Wo scheitert er immer wieder?
3. Schreibe eine kurze Szene (5 Minuten)
Setze Deinen Charakter in eine alltägliche Situation: Er wartet an der Bushaltestelle, kauft Kaffee oder streitet mit jemandem. Lass ihn handeln, sprechen, denken. Was macht er? Wie verhält er sich? Was sagt das über ihn aus?
Beispiel
Name: Hanna, 28
Ziel: Will ihre eigene Bäckerei eröffnen
Äußerer Konflikt: Hat kein Geld für die Miete
Innerer Konflikt: Angst zu versagen wie ihr Vater
Prägendes Ereignis: Vater verlor sein Restaurant, als sie 12 war
Stärke: Unglaublich kreativ mit Rezepten
Schwäche: Kann nicht um Hilfe bitten
Szene: Hanna steht vor dem leeren Ladenlokal, Schlüssel in der Hand. Ihre Finger zittern. „Du schaffst das“, flüstert sie. Dann dreht sie sich um und geht. Noch nicht heute.
Tipp
Perfektion ist der Feind der Kreativität. Schreib einfach drauflos – Du kannst später immer noch ändern, streichen oder ergänzen. Die erste Version darf chaotisch sein!
FAQ: Die häufigsten Fragen zur Charakterentwicklung
Was macht einen Charakter vielschichtig?
Ein vielschichtiger Charakter hat Tiefe und Widersprüche – genau wie echte Menschen. Er ist nicht nur „gut“ oder „böse“, sondern zeigt verschiedene Facetten: Ein mutiger Held kann gleichzeitig Selbstzweifel haben, eine liebevolle Mutter kann stur sein. Wichtig sind eine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte, innere Konflikte und eine Entwicklung im Laufe der Geschichte. Je mehr Ebenen Dein Charakter hat, desto interessanter wird er für die Leser.
Wie viel muss ich über meinen Charakter wissen, bevor ich anfange zu schreiben?
Du musst nicht jedes Detail kennen, bevor Du loslegst. Die wichtigsten Basics reichen: Wer ist er? Was will er? Was hält ihn davon ab? Viele Autoren entdecken ihre Charaktere erst beim Schreiben richtig. Starte mit den Grundlagen (Hintergrund, Motivation, eine große Stärke, eine große Schwäche) und lass den Rest organisch wachsen. Manche Charaktereigenschaften entwickeln sich erst, wenn Du sie in Aktion siehst.
Kann ich einen Charakter auch ohne Charakterbogen entwickeln?
Ja, absolut! Charakterbögen sind ein hilfreiches Werkzeug, aber kein Muss. Manche Autoren bevorzugen freies Schreiben und lernen ihre Figuren durch Dialoge oder Szenen kennen. Andere nutzen Interviews oder Tagebucheinträge.
Wichtig ist nur, dass Du ein Gefühl für Deinen Charakter entwickelst. Probiere verschiedene Methoden aus und finde heraus, was für Dich funktioniert.
Wie vermeide ich Klischee-Charaktere?
Klischees entstehen oft durch eindimensionale Figuren. Vermeide sie, indem Du Deinem Charakter Widersprüche gibst: Der harte Krieger hat eine sanfte Seite, die intelligente Wissenschaftlerin trifft manchmal impulsive Entscheidungen. Frage Dich: Was würde der Leser NICHT erwarten? Gib Deinen Charakteren ungewöhnliche Hobbys, überraschende Ängste oder unerwartete Beziehungen. Je spezieller die Details, desto einzigartiger wird Dein Charakter.
Wie entwickle ich Nebencharaktere, ohne zu viel Zeit zu investieren?
Nebencharaktere brauchen weniger Tiefe als Hauptfiguren, sollten aber trotzdem lebendig wirken. Gib ihnen 2-3 markante Eigenschaften, eine klare Funktion in der Geschichte und vielleicht ein ungewöhnliches Detail (ein Tick, eine Angewohnheit, einen besonderen Dialekt). Sie müssen nicht vollständig ausgearbeitet sein – nur so viel, dass sie der Geschichte dienen und nicht austauschbar wirken.
Die berühmten Schlussgedanken
Puh, wenn man so über vielschichtige Charaktere nachdenkt, dann kann das schon ganz schön überwältigend sein. Doch sei kreativ und mutig und vor allem: Hab Spaß dabei! Am Ende des Tages wirst Du Charaktere erschaffen haben, die Deine Geschichte so richtig lebendig machen und Deine Leser mitreißen werden.
Hast Du noch weitere Tipps, wie man vielschichtige Charaktere erschaffen kann oder bereits Erfahrungen damit? Dann lass gerne einen Kommentar da. Gerne kannst Du auch eine kleine Biografie Deines Charakters hinterlassen, so können wir gemeinsam wachsen und uns austauschen.
Ich freue mich darauf und bis dahin wünsche ich allen „Happy writing“!
Buchempfehlungen
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