Fantasy ist größer als Drachen und Schwerter — und genau das macht es so spannend.
In diesem Guide stelle ich Dir die 7 Fantasy-Untergenre vor, erkläre ihre typischen Merkmale, zeige die häufigsten Fallstricke und gebe praxisnahe Tipps, wie Du sie erfolgreich in Deinen Geschichten umsetzt. Perfekt für Anfänger, die ihre Stimme finden wollen.
Fantasy ist ein Genre, das wie ein riesiges Buffet wirkt: Du gehst hin, die Teller sind groß, die Auswahl ist endlos, und plötzlich fragst Du Dich – nehme ich nun das epische Drei-Gänge-Menü oder lieber den kleinen, schaurig-düsteren Snack? Genau hier kommt die Sache mit den Untergenre in Fantasy ins Spiel. Viele Einsteiger werfen gern alles in einen Topf: „Fantasy ist halt Magie und Drachen, oder?“ – Äh, nein. Es ist so viel mehr.
In diesem Artikel schauen wir uns die sieben Untergenre von Fantasy an. Ich zeige Dir, was ihre Merkmale sind, wo die typischen Herausforderungen liegen, und gebe Dir Tipps, wie Du sie selbst umsetzen kannst. Am Ende wirst Du nicht nur die Unterschiede kennen, sondern auch eine Idee haben, welche Art von Fantasy am besten zu Deinem Schreibstil passt.
Blog-Journal (PDF)
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- 1) Blog-Journal (PDF)
- 2) High Fantasy / Epische Fantasy
- 3) Low Fantasy
- 4) Urban Fantasy
- 5) Dark Fantasy
- 6) Historische Fantasy
- 7) Märchenhafte Fantasy / Fairy Tale Fantasy
- 8) Grimdark Fantasy
- 9) Genre-Mix: Wann Du zwei Untergenres kombinieren solltest (Video)
- 10) Die berühmten Schlussgedanken
- 11) Buchempfehlungen
High Fantasy / Epische Fantasy
High Fantasy – das ist die ganz große Bühne. Riesige, detailreiche Welten, Völker, die Du vorher noch nie gehört hast, und Konflikte, die schon beim Lesen nach Schicksal schreien. Du hast in diesem Untergenre oft das volle Programm: Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit, und natürlich eine Hauptfigur, die mehr Verantwortung trägt, als sie jemals wollte.
Herausforderungen
Das Problem an High Fantasy ist, dass sie Dich als Autor regelrecht verschlingen kann. Plötzlich sitzt Du da und überlegst drei Stunden lang, welche Währung in Land XY verwendet wird oder welche Pflanzen am Rand der Berge wachsen. Klingt nerdig? Ist es auch. Aber wenn Du Dich darin verlierst, bleibt am Ende kaum noch Platz für die eigentliche Handlung.
High Fantasy lebt von epischen Handlungssträngen, riesigen Konflikten und einem Worldbuilding, das Deine Leser so sehr in den Bann zieht, dass sie vergessen, dass draußen die Sonne scheint. Klingt genial – aber es bedeutet auch, dass Du viel Organisation brauchst.
Tipps zur Umsetzung
- Fang klein an. Du musst nicht gleich eine Enzyklopädie schreiben, bevor Dein Buch überhaupt beginnt.
- Konzentriere Dich auf das, was für die Handlung relevant ist. Die Leser müssen nicht jeden Baum im Wald kennen.
- Halte die Balance zwischen Worldbuilding und Story. Am Ende sind es Deine Figuren, die Deine Geschichte tragen.
Low Fantasy
Low Fantasy ist das Understatement unter den Untergenre. Hier gibt es wenig bis gar keine sichtbare Magie. Wenn es Magie gibt, dann ist sie selten, subtil oder kaum erklärbar. Statt riesiger Welten bekommst Du ein Setting, das viel näher an unserer Realität wirkt.
Herausforderungen
Das Spannende – und zugleich Schwierige – ist, dass Du ohne große Zaubertricks Spannung erzeugen musst. Keine Armee von Magiern, die den Tag rettet. Kein riesiges Schwert, das im richtigen Moment aufleuchtet. Stattdessen musst Du auf die Figuren, ihre Konflikte und die Gesellschaft setzen.
Low Fantasy spielt oft mit der Frage: „Was wäre, wenn es nur ein kleines bisschen Übernatürliches in einer fast normalen Welt gäbe?“ Genau das macht den Reiz aus. Es fühlt sich greifbarer an, manchmal sogar realistischer.
Tipps zur Umsetzung
- Mach die Charaktere zur Hauptattraktion. Wenn Deine Leser an ihnen hängen, brauchen sie keine Explosionen.
- Nutze Konflikte, die in menschlichen Schwächen, Machtspielen oder gesellschaftlichen Spannungen liegen.
- Erzeuge Magie durch Atmosphäre statt durch Zaubersprüche.
Urban Fantasy
Stell Dir eine ganz normale Stadt vor. Supermärkte, Smartphones, Straßenbahnen – und plötzlich taucht ein Wesen auf, das ganz sicher nicht in den Fahrplan passt. Willkommen in der Urban Fantasy. Hier treffen Alltagsleben und Magie direkt aufeinander. Das Übernatürliche lauert im Schatten der Großstadt.
Herausforderungen
Das Schwierigste ist, diese beiden Welten so zusammenzuführen, dass es nicht wie ein billiger Trick wirkt. Wenn plötzlich ein Magier im Büro auftaucht, muss es für Deine Leser logisch und selbstverständlich sein.
Urban Fantasy lebt von Kontrasten: Die Neonlichter der Stadt im Vergleich zu geheimnisvollen Ritualen. Moderne Technik auf der einen Seite, uralte Magie auf der anderen. Diese Spannung macht das Genre unglaublich dynamisch.
Tipps zur Umsetzung
- Lass die Magie im Verborgenen wirken. Ein Hauch Geheimnis ist spannender als ein offenes Feuerwerk.
- Nutze die vertraute Umgebung Deiner Leser. Je alltäglicher die Welt wirkt, desto stärker knallt das Fantastische.
- Arbeite mit starken Figuren, die zwischen beiden Welten stehen und den Leser mitnehmen.
Dark Fantasy
Dark Fantasy ist die düstere Schwester im Genre-Kosmos. Stell Dir eine Welt vor, die voller Schatten, Blut und moralischer Grauzonen steckt. Helden? Gibt’s hier kaum. Eher Figuren, die zwischen Überleben und Wahnsinn pendeln.
Herausforderungen
Das Risiko: Wenn Du es übertreibst, wirkt es schnell wie eine Teenager-Fantasie von „Alles ist böse und brutal“. Leser wollen keine überzogenen Schockmomente, sondern echte, bedrückende Atmosphäre.
Dark Fantasy mischt oft Elemente von Horror in die Handlung. Es geht nicht nur um Magie und Schwerter, sondern auch um das Unheimliche, das Dich nachts wachhält. Hier wird die Welt selten in Schwarz und Weiß gemalt – alles ist grau, dreckig und voller Zwielicht.
Tipps zur Umsetzung
- Arbeite mit subtilen Andeutungen statt mit Splatter-Feuerwerk.
- Baue Figuren, die echte innere Konflikte haben.
- Atmosphärisches Schreiben ist das A und O – Licht, Schatten, Geräusche, Gerüche. Nutze alle Sinne.
Historische Fantasy
Hier treffen Vergangenheit und Fantasie aufeinander. Historische Fantasy nimmt echte Epochen, Ereignisse oder Kulturen – und gibt ihnen einen magischen Twist. Magie in einer mittelalterlichen Stadt? Kein Problem. Übernatürliches in der Antike? Geht klar.
Herausforderungen
Die größte Hürde ist die Recherche. Du kannst nicht einfach irgendein Detail erfinden, wenn Du eine bestimmte Epoche wählst. Deine Leser werden es merken. Gleichzeitig musst Du genug Freiheiten haben, um die Fantasy-Elemente einzubauen.
Historische Fantasy lebt davon, dass reale Geschichte und Fantasie verschmelzen. Das macht sie oft besonders intensiv, weil sie etwas Vertrautes mit etwas völlig Neuem kombiniert.
Tipps zur Umsetzung
- Recherchiere gründlich – aber übertreib es nicht. Du musst nicht jede Münze der Epoche kennen.
- Achte auf die Atmosphäre. Wie haben die Menschen gelebt? Wie haben sie gedacht?
- Nutze Fantasy-Elemente, um neue Perspektiven auf die Geschichte zu eröffnen.
Märchenhafte Fantasy / Fairy Tale Fantasy
Das ist das Untergenre, das nach Lagerfeuer und Geschichten klingt. Hier findest Du märchenhafte Strukturen, Archetypen wie die weise Hexe, den verlorenen Prinzen oder den dunklen Wald. Es gibt oft eine moralische Botschaft, eingebettet in eine leicht überhöhte, fast träumerische Sprache.
Herausforderungen
Die Gefahr liegt im Klischee. Wenn Deine Figuren wie aus einem Kinderbuch wirken und nichts Neues bieten, schalten Leser schnell ab. Märchenhafte Fantasy darf zwar vertraut klingen, muss aber modern gedacht sein.
Dieses Untergenre ist flexibel: Es kann verspielt, romantisch oder sogar ziemlich düster werden. Entscheidend ist die Art, wie Du es erzählst.
Tipps zur Umsetzung
- Spiele mit bekannten Märchenmotiven, aber verdreh sie kreativ.
- Setze auf starke Symbolik, die Deine Geschichte trägt.
- Halte den Ton poetisch oder geheimnisvoll, je nachdem, welche Stimmung Du erzeugen willst.
Grimdark Fantasy
Grimdark ist quasi die „Alles-ist-schlimm-und-wird-noch-schlimmer“-Version von Fantasy. Gewalt, Korruption, Zynismus – hier ist nichts heilig. Figuren sind moralisch fragwürdig, und selbst der „Held“ könnte morgen die falsche Seite wählen.
Herausforderungen
Grimdark läuft schnell Gefahr, in pure Misere abzugleiten. Wenn jede Seite gleich verkommen ist und niemand Hoffnung hat, warum sollten Leser weiterlesen? Es braucht trotz aller Dunkelheit einen Grund, weiterzumachen.
Grimdark fokussiert sich auf moralische Konflikte, innere Abgründe und eine Welt, die nicht auf Rettung wartet. Das kann unglaublich spannend sein – wenn Du es schaffst, trotz aller Düsternis menschliche Momente einzubauen.
Tipps zur Umsetzung
- Übertreib es nicht mit Gewalt. Weniger ist oft mehr.
- Zeig, dass auch in einer finsteren Welt kleine Funken Menschlichkeit existieren.
- Nutze die Ambivalenz der Figuren, um Deine Leser ständig im Zwiespalt zu halten.
Genre-Mix: Wann Du zwei Untergenres kombinieren solltest (Video)
Die berühmten Schlussgedanken
Von episch über subtil bis hin zu stockdüster – jedes Untergenre bringt eigene Stärken, aber auch Stolperfallen mit sich. Wichtig ist: Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Es gibt nur das, was zu Dir und Deiner Geschichte passt.
Mein Tipp für Dich als Anfänger: Probier Dich aus! Schreib eine kurze Szene in High Fantasy und dann dieselbe Szene in Urban Fantasy. Du wirst merken, wie sehr sich allein durch das Untergenre Stimmung und Wirkung verändern. Und wer weiß – vielleicht entdeckst Du genau da Dein persönliches Lieblingsfeld.
Am Ende zählt nicht, welches Etikett auf Deiner Geschichte klebt. Es zählt, dass Du Deine Leser mitnimmst, sie in Deine Welt hineinziehst und sie nicht mehr so schnell loslässt. Und dafür ist Fantasy, egal in welcher Form, einfach unschlagbar.
In diesem Sinne: „Happy writing“!
Buchempfehlungen
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